06 / 19 · 65+ Interviews, sechs Personas, ein Portal

Supplier Experience

Novartis baute die Plattformen neu auf, über die das Unternehmen mit Lieferanten arbeitet. In sechs Monaten führte mein vierköpfiges Team mehr als 65 Interviews, entwickelte sechs validierte Personas und machte daraus ein Self-Service-Konzept für das Supplier Portal.

Rolle
Lead UX Strategist
Kunde
Novartis
Branche
Gesundheit & Life Sciences
Leistungen
UX-Strategie, Nutzerforschung, Persona-Entwicklung
Team
Vier UX-Fachleute im Subchapter Supplier Experience, zusammen mit dem Change-Management-Team

Wenn ein Lieferant nicht sieht, wo eine Rechnung steht, schickt er eine Anfrage, und jemand bei Novartis muss sie beantworten. Das Unternehmen wollte diese Workflows mit neuen Plattformen modernisieren: Lieferantenanfragen, Self-Service-Registrierung, Master Data Governance für Lieferanten (MDG-S) und ein Supplier Portal.

Enterprise-Plattformen bei Novartis wurden lange vom Prozess her gebaut. Antragstellende, Backoffice-Teams, Einkauf, Risikomanagement, Business Owner und Lieferanten wurden selten gefragt, was sie brauchten. Das zeigte sich in doppelten Datensätzen zwischen Ariba und SIM, unklarem Prozessstatus und einem steten Strom von Anfragen, der beide Seiten Zeit kostete.

Was braucht es, damit sechs sehr unterschiedliche Nutzergruppen, verteilt über Länder und Systeme, ein Programm mitgestalten, das bisher immer vom Prozess getrieben war?

Mein vierköpfiges Team stiess zum Subchapter Supplier Experience und verstand User Research als Teil der Umsetzung. Ein Segmentierungs-Workshop grenzte das Feld auf die wichtigsten Personas ein. Kontaktpersonen in den Ländern halfen bei der Rekrutierung, und mehr als 65 anonyme Interviews ergaben sechs validierte Archetypen. Wir teilten sie in grossen Foren, schärften sie mit Stakeholdern und gestalteten damit einen Self-Service-Onboarding-Flow und ein Supplier Portal auf OneDS-Komponenten.

Meine Rolle

Lead UX Strategist. Ich leitete ein Team aus vier UX-Fachleuten, eingebettet im Subchapter Supplier Experience. Ich definierte die End-to-End-UX-Strategie, moderierte den Workshop zur Persona-Segmentierung, baute das Interviewprogramm auf und leitete aus den Ergebnissen die Richtung für das Lieferanten-Onboarding und das Supplier Portal ab.

Was es schwierig machte

  • Sechs Gruppen, ein Programm

    Antragstellende, P2P-Backoffice, Einkauf, Risikomanagement für Drittparteien, Lieferanten und Business Owner hatten jeweils eigene Ziele und Pain Points.

  • Der Prozess zuerst

    Plattformen entstanden lange rund um das, was die Technik konnte. User Research in jede Phase zu bringen hiess, zu ändern, wie das Programm Entscheide fällte.

  • Global und fragmentiert

    Die Nutzenden sassen in vielen Ländern und arbeiteten mit Ariba, SIM und ServiceNow, mit länderspezifischen Regeln und sprachlichen Anforderungen.

  • Ehrliches Feedback im Konzern

    Die Menschen brauchten einen sicheren, anonymen Rahmen, um zu beschreiben, was nicht funktionierte, ohne Folgen fürchten zu müssen.

Fragen, die wir stellten

  1. Welche Kundengruppen beeinflussen die Supplier Experience am stärksten, und von welchen hören wir nichts?
  2. Was müssen Lieferanten sehen, damit sie keine Anfragen mehr schicken?
  3. Wo fällt Arbeit zwischen Systemen wie Ariba und SIM durch die Maschen?
  4. Wie halten wir Personas lebendig, wenn das Research-Team weiterzieht?
01

Die Kundengruppen bestimmen

Ein 90-minütiger Online-Workshop in Miro eröffnete die Arbeit. Zuerst öffneten wir das Feld und listeten jede mögliche Persona pro Kundengruppe auf, dann einigten wir uns per Dot-Voting auf jene mit dem grössten Einfluss auf das Programm. Heraus kamen sechs Hauptgruppen: Antragstellende, P2P-Backoffice, Einkaufsteams, Risikomanagement für Drittparteien, Lieferanten und Business Owner.

Die Kundengruppen bestimmen

Der Segmentierungs-Workshop lief remote auf einem Miro-Board: vom Kontext über die Kundengruppen und Abstimmungen bis zu den nächsten Schritten.

02

Zuhören über Ländergrenzen hinweg

Kontaktpersonen in den Ländern halfen uns, 10 bis 20 Teilnehmende pro Persona-Gruppe zu finden, und alle erhielten vor ihrer Session Unterlagen zur Vorbereitung. Halbstrukturierte, anonyme Interviews deckten Rollen, Ziele, Pain Points und Wünsche ab. Wir clusterten die Ergebnisse in Miro zu Empathy Maps und Pain Maps. Sie brachten doppelte Lieferantendatensätze, unklaren Prozessstatus und eine Arbeitsspitze von November bis Februar ans Licht.

Zuhören über Ländergrenzen hinweg
Zuhören über Ländergrenzen hinweg

Die Interviewnotizen wurden zu Empathy Maps und einer Source-to-Contract-Pain-Map geclustert.

03

Sechs validierte Archetypen

Mehr als 65 Interviews ergaben sechs Archetypen in zwei Workstreams, jeder mit Persona-Sheet, Empathy Map und Pain Map. Wir teilten frühe Versionen mit Projektteams, sammelten Feedback in grossen Foren und iterierten, bevor wir sie finalisierten. So hatten die Teams, die mit den Personas arbeiten würden, sie mitgestaltet.

Sechs validierte Archetypen

Jeder Archetyp kam als Set: Persona-Sheet, Pain Map und Empathy Map.

04

Von der Erkenntnis zum Self-Service-Portal

Die Personas wiesen auf ein Ziel: weniger Anfragen durch mehr Transparenz. Das Konzept für das Supplier Portal verbindet ein geführtes Onboarding, Rechnungs- und Zahlungsstatus, eine Wissensdatenbank und ein Support-Center mit Chatbot. Es dient grossen Lieferanten, die strategisch mit Novartis zusammenarbeiten, ebenso wie kleinen mit wenig Austausch. Das UI nutzt getestete OneDS-Komponenten, und wir validierten es in jeder Phase mit Nutzenden.

Von der Erkenntnis zum Self-Service-Portal
Von der Erkenntnis zum Self-Service-Portal

Die Experience Map verband beide Lieferanten-Archetypen mit Onboarding, Rechnungsstatus, Wissensdatenbank und Support.

In Bewegung

Ergebnisse

  • 65+Interviews mit Nutzenden
  • 6validierte Archetypen
  • 6Kundengruppen bestimmt
  • 4UX-Fachleute im Team
  • Kürzere Onboarding-Zeit dank Self-Service-Registrierung und Onboarding-Tools
  • Höhere Effizienz mit weniger manuellen Eingriffen
  • Bessere Zusammenarbeit mit Stakeholdern auf Basis validierter Research-Erkenntnisse

Was ich mitnehme

  • Über lokale Kontakte rekrutieren. Kontaktpersonen in den Ländern und das Versprechen von Anonymität brachten uns Antworten, die wir in keinem Steuerungsmeeting gehört hätten.
  • Nutzende die Personas bauen lassen. Frühe Entwürfe in offenen Foren brachten mehr für die Akzeptanz als eine polierte finale Präsentation.
  • Die Übergabe planen. Nächstes Mal würde ich vom ersten Tag an einen lebendigen Persona-Katalog aufbauen, damit sich die Arbeit auch nach Projektende weiter auszahlt.
Lead UX Strategist
Preetham Lawrence
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Designleiter in Zürich, Schweiz. Offen für Führungsrollen und ausgewählte Kooperationen.

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