03 / 19 · Jede Marke, jeder Stack, ein System

OneDS

Ich war Product Owner und UX Lead für OneDS, das Designsystem von Novartis, neu aufgebaut nach einem zu starren ersten Anlauf. Mit zwei Token-Ebenen wechselt ein Satz MUI-5-Komponenten die Marke, und Migrationen schrumpften von Monaten auf Wochen.

Rolle
Product Owner, Lead UX
Kunde
Novartis
Branche
Gesundheit & Life Sciences
Leistungen
Designsysteme, Produktverantwortung, Design-Tokens

Mehr als 60 Designerinnen und Designer, intern und bei Agenturen, gestalten für Novartis: Web-Apps, CMS-Websites, mobile Apps und Produktmarken wie Cosentyx und Entresto. Zusammen liefern sie rund 40 bis 50 Projekte pro Jahr, in Angular, React, Vue und mehr.

Es gab keine zentrale, verbindliche Quelle für Tokens, Komponenten oder Patterns. Deshalb dauerte die Umsetzung lange, und das Nutzungserlebnis war uneinheitlich. Das erste Enterprise-System, WADS, kam 2021, erwies sich aber als zu starr. Im Design fühlte man sich eingeengt, die Entwicklung wartete bei jeder Änderung auf das Core-Team, und Migrationen dauerten Monate.

Könnte ein Designsystem jede Marke und jeden Tech-Stack bedienen, ohne zum Engpass zu werden wie sein Vorgänger?

Wir bauten es als OneDS neu auf und nutzten den Wechsel zu Figma als sauberen Neustart. Zwei Token-Ebenen trennen das Theme vom Core. Dadurch kann ein Produkt von Novartis zu Cosentyx wechseln, ohne dass Designdateien kaputtgehen. Die Komponenten folgen Material und werden als MUI-5-Pakete für React und Angular ausgeliefert, installiert über private NPM-Pakete. Design und Engineering übernahmen OneDS, und Migrationen schrumpften von Monaten auf Wochen.

Meine Rolle

Product Owner, Lead UX. Ich verantwortete Produkt und UX von OneDS rund 12 Monate lang: Architektur, Tooling, Governance, das Einführungsprogramm und den Business Case gegenüber der Geschäftsleitung. Dabei arbeitete ich mit der Design- und der Engineering-Community sowie mit Führungskräften aus dem Business.

Was es schwierig machte

  • Viele Marken, viele Stacks

    Ein System musste Web-Apps, CMS-Websites, hybride und native Apps sowie mehrere Produktmarken bedienen, über Angular, React und Vue hinweg.

  • Lernen aus einem starren ersten Anlauf

    WADS bewies den Bedarf, engte aber das Design ein und liess die Entwicklung auf das Core-Team warten.

  • Wenig Budget, kaum Befugnisse

    Die Arbeit begann mit knappen Mitteln und ohne Mandat. Akzeptanz musste man sich erarbeiten.

  • Eine verteilte Community

    20 interne Designerinnen und Designer, 40 externe Agenturen und 5 Geschäftsbereiche: Für alle musste das System einfacher sein als ein eigener Weg.

Fragen, die wir stellten

  1. Was legen wir im Core fest, und was darf jede Marke frei ändern?
  2. Wie wird die Einführung des Systems schneller als ein Neubau von Grund auf?
  3. Welche Belege überzeugen Führungskräfte im Business, ein Designsystem zu finanzieren?
  4. Wie bleiben externe Agenturen auf Linie, ohne langsamer zu werden?
01

Lehrgeld bezahlt

Mein erstes System war ein inoffizielles, plattformübergreifendes UI-Kit in Sketch bei EF, mit grundlegenden Standards für Barrierefreiheit. Es verbesserte die Konsistenz, stiess aber bei der Führung auf Widerstand. Das lehrte mich früh, dass es bei Designsystemen zuerst um Menschen geht. Der erste Enterprise-Anlauf, WADS im Jahr 2021, kombinierte ein Kit in Sketch und Abstract mit Web Components in Stencil.js und Storybook. Für das Design war es zu starr, und die Entwicklung hing bei jeder Anpassung vom Core-Team ab.

Lehrgeld bezahlt
Lehrgeld bezahlt

Das EF-Kit und die Sketch-Library mit Atomen aus der WADS-Zeit: konsistent, aber in der Hand eines einzigen Teams.

02

Themes plus Plattformen ergibt Komponenten

OneDS beginnt mit einer einfachen Gleichung. Marken-Themes tragen Logo, Farbe und Schrift. Tech-Plattformen tragen die Eigenheiten jedes Browsers und Betriebssystems. White-Label-Komponenten sitzen dort, wo sich beides trifft. Wie ein gut gebauter Stuhl besteht das System aus Material, Struktur und Komponenten, und jede Ebene lässt sich ändern, ohne die anderen zu beschädigen.

Themes plus Plattformen ergibt Komponenten
Themes plus Plattformen ergibt Komponenten
Themes plus Plattformen ergibt Komponenten

Marken-Themes und Tech-Plattformen treffen sich in einem Satz White-Label-Komponenten.

03

Zwei Token-Ebenen, jedes Theme

Im Zentrum steht die Governance, die Plattformen und Themes verbindet. Eine Theme-Ebene über den Core-Tokens lässt dieselben Web-App-Komponenten von Novartis-Blau zu Cosentyx-Magenta wechseln, ohne Designdateien anzufassen. Neue Plattformen wie CMS-Websites und hybride Apps docken über dieselbe Struktur an, ebenso neue Marken wie Entresto.

Zwei Token-Ebenen, jedes Theme

Derselbe Header, dieselben Tabs, Buttons und Chips, über die Theme-Token-Ebene von Novartis auf Cosentyx umgestellt.

04

Produktionsreif im Code

Die Komponenten sind modular und kompatibel mit MUI 5, als Themes für React und Angular paketiert und in Storybook dokumentiert. Private NPM-Pakete, CLI-Installer und Automatisierungsskripte ersparten den Einrichtungsaufwand beim Einstieg. Die Roadmap erweitert den Core nach aussen, auf mehr Plattformen und mehr Marken, und Governance, Support und das Onboarding neuer Anwendungsfälle laufen ständig mit.

Produktionsreif im Code
Produktionsreif im Code

Die Dokumentations-Website Go/OneDS, auf der jedes Marken-Theme eine eigene Seite hat.

05

Akzeptanz erarbeiten

Das Ökosystem war breit: 20 interne Designerinnen und Designer, 40 externe Agenturen, 5 Geschäftsbereiche und 40 Projekte pro Jahr. Designteams erhielten eine Onboarding-Checkliste, Grundlagentrainings, klare Dokumentation und lebende Beispiele. Entwicklungsteams erhielten Storybook, eine Open-Source-Arbeitsweise und Tools, die den Einrichtungsaufwand beseitigten. Führungskräfte aus dem Business erhielten bezifferte Einsparungen durch Standardisierung, Belege für eine kürzere Time-to-Market und eine Reihe erfolgreicher Pilotprojekte.

Akzeptanz erarbeiten

In Bewegung

Ergebnisse

  • 60+unterstützte Designerinnen und Designer
  • 40–50Projekte pro Jahr
  • 5Geschäftsbereiche
  • Wochenfür eine Migration, früher Monate
  • OneDS in Design und Engineering bei Novartis etabliert
  • Migrationen von Monaten auf Wochen verkürzt
  • Schnellere Umsetzung und weniger Nacharbeit dank wiederverwendbarer Komponenten
  • Produkte über mehrere Marken und Stacks aus einem Core bedient
  • Teams sahen das Designsystem zunehmend als Enabler, nicht als Einschränkung

Was ich mitnehme

  • Vereinfachen, um zu skalieren. Klare Struktur und gute Dokumentation machen Teams flexibel und konsistent zugleich.
  • Durch Teilen lehren. Offenes Arbeiten schuf mehr Vertrauen, als es ein Mandat je gekonnt hätte.
  • Kultur zuerst. Ein Designsystem gelingt durch Menschen, Prozesse und Governance; die UI-Assets folgen danach.
Product Owner, Lead UX
Preetham Lawrence
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Designleiter in Zürich, Schweiz. Offen für Führungsrollen und ausgewählte Kooperationen.

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